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Das richtige Maß an Stress – Gibt es das im Arbeitsalltag?

Aktualisiert: 18. März

Stress ist allgegenwärtig. Ob im Job, im Projektalltag oder in dynamischen Teams – das Gefühl, unter Druck zu stehen, kennen wir vermutlich alle. Meistens fühlt sich Stress unangenehm an und man ist froh, wenn er endlich wieder vorüber ist. Doch ist Stress wirklich immer negativ? Oder gibt es auch eine Art von Stress, die uns im Arbeitsalltag wachsen lässt und leistungsfähiger macht?

Die Wissenschaft zeigt: Stress ist nicht gleich Stress – und in einem bestimmten Maß kann er sogar hilfreich sein.

Gerade in Unternehmen, in denen Leistung, Innovation und Zusammenarbeit gefragt sind, lohnt sich ein differenzierter Blick auf Stress.



Zwei Schaukelstühle als Sinnbild für das richtige Maß an Stress.


Eustress & Distress – Zwei Seiten der gleichen Medaille

Der Begriff „Stress“ stammt ursprünglich aus der Physik und beschreibt eine Belastung oder einen Druck. In der Psychologie wird zwischen zwei Hauptarten unterschieden:

  • Eustress (positiver Stress): Dieser Stress motiviert, aktiviert und sorgt dafür, dass wir konzentriert und fokussiert arbeiten. Eustress entsteht häufig dann, wenn wir eine Herausforderung wahrnehmen, uns dieser aber gewachsen fühlen. In diesem Zustand ist das Gehirn besonders leistungsfähig – wir denken klarer und handeln zielgerichteter.

  • Distress (negativer Stress): Wenn Anforderungen zu hoch erscheinen, zu lange anhalten oder unklar sind, wandelt sich Stress in Distress. Es entstehen Überforderung, Erschöpfung oder Unsicherheit. Distress kann im Arbeitskontext aber auch durch Unterforderung entstehen – etwa bei monotonen Aufgaben oder fehlender Sinnhaftigkeit.


Ein Diagramm, welches das Ausmaß an Anspannung und Leistung und damit verbundenen Eustress und Distress darstellt.

Entscheidend ist also nicht, ob Stress vorhanden ist – sondern wie er erlebt und bewertet wird.


Was passiert im Gehirn, wenn wir Stress erleben?

Stress aktiviert das Stressreaktionssystem im Gehirn. Dabei wird unter anderem Cortisol ausgeschüttet, das kurzfristig Energie mobilisiert und die Aufmerksamkeit erhöht.

Bei Eustress wird dieses System in einem gesunden Maß aktiviert: → Wir sind wach, fokussiert und leistungsfähig.

Bei chronischem Distress hingegen verändert sich die Funktionsweise im Gehirn:

  • Der präfrontale Cortex (zuständig für Planung und Entscheidungen) wird gehemmt

  • Die Amygdala (unser „Alarmzentrum“) wird aktiver

  • Emotionale Reaktionen nehmen zu, rationale Steuerung nimmt ab

Das hat direkte Auswirkungen auf Entscheidungsfähigkeit, Zusammenarbeit und Produktivität im Arbeitsalltag.


Wie wirkt sich zu viel Stress im Arbeitskontext aus?

Gerade in Unternehmen zeigt sich Distress häufig durch:

  • Kognitive Blockaden: Informationen werden schlechter verarbeitet

  • Sinkende Motivation: Antrieb und Fokus nehmen ab

  • Geringere Kreativität: Lösungen werden weniger flexibel und innovativ

  • Fehlende Lernfähigkeit: Entwicklung und Weiterentwicklung werden erschwert

Eustress hingegen kann genau das Gegenteil bewirken:

  • höhere Motivation

  • bessere Konzentration

  • gesteigerte Lernfähigkeit

Für Organisationen bedeutet das: Nicht Stress an sich ist das Problem – sondern ein dauerhaftes Ungleichgewicht.


Eustress im Arbeitsalltag fördern – erste Ansätze

Die gute Nachricht: Es ist möglich, Stress gezielt so zu gestalten, dass er eher als Eustress erlebt wird.

  1. Sinn & Relevanz sichtbar machen: Sinnvolle Aufgaben und klare Zielbilder fördern positive Aktivierung. Wenn Mitarbeitende verstehen, warum sie etwas tun, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Stress als motivierend erlebt wird.


  2. Stressquellen bewusst reflektieren: Welche Aufgaben erzeugen Überforderung? Wo fehlt Klarheit oder Struktur? Gerade im Teamkontext hilft Transparenz, Belastung besser einzuordnen.


  3. Abwechslung im Arbeitsalltag schaffen: Monotone Tätigkeiten fördern eher Distress oder Boreout. Wechsel zwischen Fokusphasen, Kommunikation und kreativen Aufgaben entlastet das Gehirn.


  4. Regeneration aktiv einplanen: Leistung entsteht nicht nur durch Aktivierung, sondern auch durch Erholung. Pausen, klare Arbeitszeiten und bewusste Abschaltphasen sind zentrale Faktoren.


  5. Herausforderungen dosieren: Optimal ist ein Spannungsfeld, in dem Anforderungen fordern, aber nicht überfordern. Genau hier entsteht Eustress – und damit Entwicklung.


Fazit: Das richtige Maß an Stress ist ein Erfolgsfaktor

Stress ist nicht per se negativ. Im Gegenteil: In einem gesunden Maß kann er Motivation, Lernen und Leistungsfähigkeit fördern. Entscheidend ist, wie Stress im Arbeitsalltag gestaltet wird.

Für Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeitende gilt:

  • Eustress fördern

  • Distress früh erkennen

  • Rahmenbedingungen bewusst gestalten

Denn nachhaltige Leistungsfähigkeit entsteht nicht durch Daueranspannung – sondern durch das richtige Gleichgewicht zwischen Aktivierung und Erholung.


Katharina Hiller BRAIN EXPLAIN

Ich bin Katharina Hiller, Gründerin von BRAIN EXPLAIN, und Dozentin an der HTW Berlin. BRAIN EXPLAIN entwickelt Programme für Unternehmen, die ihre Talente und Teams emotional stärken, langfristig binden und leistungsfähig halten.


Wir arbeiten am Puls von

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  • technologischen Entwicklungen

 




Podcastfolge: Selbstinduzierter Stress im Beruf - Das Prinzip der kontrollierten Belastung

 
 
 

2 Kommentare

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Gast
24. Apr. 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Toller Beitrag!! Danke für deine Insights, liebe Kathi :)

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Gast
24. Apr. 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Eustress + Chillen = Glückseligkeit ey 🙈😄

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